Erkrankungen der Netzhaut und des Glaskörpers


Wir unterscheiden bei diesem Komplex von Erkrankungen zwischen solchen, die ohne Operation behandelt werden können (sog. "medical retina") und solchen, die eine operative Versorgung erforderlich machen (sog. "surgical retina").

Obwohl die Behandlung mit einem Laser streng genommen ein chirurgischer Eingriff ist, werden viele mittels Laser zu behandelnden Krankheitsbilder zur "medical retina" gezählt.

A. Medical Retina

In unserer Praxis und an der Augenklinik des Klinikums Karlsruhe stehen alle diagnostischen Möglichkeiten zur Untersuchung der in Frage kommenden Erkrankungen zur Verfügung. Einige Bespiele:

  • Angiographie: Hier wird ein spezieller Farbstoff (Natriumfluoreszein - Fluoreszeinangiographie; Indocyaningrün - ICG-Angiographie) intravenös appliziert, anschließend werden Photographien vom Augenhintergrund gemacht. Diese Untersuchung ist v.a. bei Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration und bei diabetischer Retinopathie wichtig.

Angiographie bei Zentralvenenverschluß
Angiographie bei Zentralvenenverschluß

  • Fundusphotographie: Zur Dokumentation von Veränderungen am Augenhintergrund wie z.B. Aderhautnävus u.a.

  • Optical coherence tomography (OCT): optische Darstellung der Stelle des schärfsten Sehens (Makula). Es findet hierbei das sogenannte spectral domain OCT seine Anwendung. 

  • Gesichtsfelduntersuchung
  • Farbensehen
  • Ultraschall: Zur genauen Vermessung von Veränderungen am Augenhintergrund

Photographie des Augenhintergrundes des Patienten aus obiger Abbildung
Photographie des Augenhintergrundes des Patienten aus obiger Abbildung
Photographie eines normalen Augenhintergrundes
Photographie eines normalen Augenhintergrundes

OCT der Stelle des schärfsten Sehens ohne krankhafte Veränderungen
OCT der Stelle des schärfsten Sehens ohne krankhafte Veränderungen



Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten


Altersbedingte Makuladegeneration:

Die AMD ist die häufigste Ursache für eine Erblindung im Sinne des Gesetzes bei älteren Menschen.

Wichtige Risikofaktoren sind: Alter, weibliches Geschlecht, Rauchen, Ernährung, erhöhte Blutfettwerte und Herz-Kreislauferkrankungen. Neuerdings werden oxidative Prozesse, die z.B. durch Licht induziert werden können, angeschuldigt, eine der wesentlichen Ursachen für die Entwicklung einer AMD zu sein.

Man unterscheidet grob eine seltenere (ca. 15%) feuchte und eine viel häufigere (ca. 85%) trockene Form. Die feuchte Form, für die mittlerweile wissenschaftlich gesicherte Therapieverfahren zur Verfügung stehen, stellt auch gleichzeitig die gefährlichere Form dar. Hierbei kommt es zu einem Gefäßwachstum unter die Netzhaut. Diese Gefäße können bluten und letztlich zum vollständigen Verlust des Lesesehvermögens führen.

Ganz wesentlich ist die Früherkennung. Hier kommt der Selbsttestung mit dem sogenannten Amslernetz die wichtigste Bedeutung zu. Achten Sie auf Verzerrungen/Verbiegungen der Linien und Ausfälle im Gittermuster. Die Augen sollten immer getrennt untersucht werden (ein Auge abdecken).

Amsler-Netz: zur Früherkennung der Makuladegeneration:
Amsler-Netz: zur Früherkennung der Makuladegeneration:

Anleitung zur Benutzung des Amsler-Gitters

  • Benutzen Sie die Tafel bei heller Beleuchtung, im Abstand von 30 cm, mit Lesebrille
  • Decken Sie ein Auge ab
  • Fixieren Sie den Mittelpunkt
  • Achten Sie auf Unregelmäßigkeiten im Gittermuster (Verzerrungen, Wellenlinien, Größenunterschiede, Fehlende Quadrate)
  • Untersuchen Sie das andere Auge

Besteht der Verdacht auf eine feuchte altersbedingte Makuladegeneration, wird eine Angiographie und eine OCT (Optische Kohärenztomographie) durchgeführt.


Hier erhalten Sie neben einer weiteren Einführung auch wichtige Tipps im Hinblick auf Ernährungsfaktoren bzw. Nahrungszusätze. Eine erste Studie, die auch die erfolgreiche Gabe solcher Nahrungszusätze in hohen Dosen bei einer floriden Erkrankung mit Erfolg zeigte, ist die sog. ARED-Studie, über die wir Sie gerne informieren. Eine unkritische Einnahme des hier empfohlenen Cocktails ist wegen der möglichen Nebenwirkungen sicher nicht anzuraten.

Wichtige Hintergrundinformation zu Licht, AMD und oxidative Schäden des Auges anderer Genese, enthält das Dokument "Ursache und Prävention oxidativer Schäden des Auges" (PDF, 380 KB).

Bereits oben wurden einige Zusammenhänge / Ursachen dargestellt. Die wissenschaftliche Diskussion über die Wertigkeit der verschiedenen Faktoren dauert jedoch noch an.

Man geht davon aus, dass die lebenslange Lichtexposition in Kombination mit einer Reduktion des Makulapigments im Alter einen wichtigen Faktor in der Entstehung des Krankheitsbildes darstellen.

Für mehr Informationen, die freundlicherweise Herr Prof. Dr. Dr. h.c. mult. S. Hünig für Sie zusammengestellt hat, klicken Sie bitte das bereitgestellte Dokument "Sehschaden im Alter - Vorbeugen und Mildern" (PDF, 485 KB) an.


Therapie der feuchten altersbedingten Makuladegeneration:

Als Standardtherapie hat sich die intravitreale Medikamentengabe etabliert. Es handelt sich hierbei um sogenannte anti-VEGF Wirkstoffe, die gegen den "vascular endothelial growth factor" (VEGF) gerichtet sind. Verschiedene Präparate finden zur Zeit Anwendung.
Es wird hier auf die zahlreichen Publikationen zu diesem Themenkomplex verwiesen.


OCT; Vitreomakuläres Traktionssyndrom im Zusammenhang mit feuchter altersbedingter Makuladegeneration
OCT; Vitreomakuläres Traktionssyndrom im Zusammenhang mit feuchter altersbedingter Makuladegeneration



Diabetische Retinopathie


Bei Patienten, die an Diabetes mellitus leiden, ist v.a. die regelmäßige Untersuchung der Augen durch den Augenarzt von größter Wichtigkeit. Bei einer guten Blutzuckereinstellung lassen sich Augenveränderungen für eine lange Zeit verhindern. Zu den bekannten Augenveränderungen gehören Durchblutungsstörungen und Gefäßneubildungen, die das Sehvermögen bedrohen können.

Liegen schwerere Augenveränderungen vor, stehen folgende Verfahren zur Verfügung:

  • Lasertherapie (verschiedene Verfahren: zentrale Laserbehandlung, Laserflächenkoagulation) – wir behandeln hier mittels neuester Argon Laser Technologie

  • Intravitreale Gabe verschiedener Medikamente

  •  Operative Verfahren

Eine ausreichende Versorgung aller Gewebe des Körpers mit genügend Sauerstoff ist gerade bei Patienten mit Diabetes mellitus von besonderer Wichtigkeit. Zum Ausschluß von Veränderungen, die während der Schlafphase einer Sauerstoffunterversorgung der Netzhaut Vorschub leisten könnten besteht eine enge Zusammenarbeit mit einem Schlaflabor. Sprechen uns bitte auf diese Option an.

OCT diabetisches Makulaödem


Augenhintergrundveränderungen bei diabetischer Retinopathie
Augenhintergrundveränderungen bei diabetischer Retinopathie
Augenhintergrundveränderungen bei sog. proliferativer diabetischer Retinopathie. Infolge der Sauerstoffunterversorgung sind massenhaft Gefäßneubildungen entstanden
Augenhintergrundveränderungen bei sog. proliferativer diabetischer Retinopathie. Infolge der Sauerstoffunterversorgung sind massenhaft Gefäßneubildungen entstanden

Angiographie bei sog. proliferativer diabetischer Retinopathie. Man sieht Laserherde (kleine weiße Flecken), Gefäßneubildungen (große verwaschene weiße Flecken) sowie nicht durchblutete Bezirke (dunkle Areale)
Angiographie bei sog. proliferativer diabetischer Retinopathie. Man sieht Laserherde (kleine weiße Flecken), Gefäßneubildungen (große verwaschene weiße Flecken) sowie nicht durchblutete Bezirke (dunkle Areale)



Retinale Venenverschlüsse


Hier können Augenveränderungen entstehen, die denen der sog. diabetischen Retinopathie ähneln. Daher müssen Patienten nach Venenverschlüssen konsequent und regelmäßig vom Augenarzt kontrolliert werden. Auch die Behandlungsverfahren ähneln denen der diabetischen Augenveränderungen.

Über zusätzliche operative Möglichkeiten (Optikotomie u. a.) informieren wir Sie gerne.

Augenhintergrund bei Venenastverschluß


OCT Bild Makulaödem nach venösem Verschlußgeschehen




Retinale Arterienverschlüsse


Patienten mit Arterienverschlüssen müssen v.a. internistisch und neurologisch untersucht werden. Sie gelten als Gefäß-Risiko-Patienten. Auch hier können Netzhautveränderungen entstehen, die eine weitere augenärztliche Therapie erforderlich machen.

Augenhintergrund bei Zentralarterienverschluß


Angiographie bei Zentralarterienverschluß




Uveitis


Die Uveitis ist eine Entzündung der Gefäßhaut des Auges, die das Sehvermögen bedrohen kann. Da eine Grunderkrankung auslösende Ursache der Uveitis sein kann, muß bei betroffenen Patienten intensiv nach solchen Grunderkrankungen gesucht werden. Die Behandlung ist meist medikamentös, nur selten ist es erforderlich eine operative Behandlung (Vitrektomie - Entfernung des Glaskörpers) vorzunehmen.



B. Surgical Retina


Wir bieten Ihnen als einen unserer Tätigkeitsschwerpunkte das gesamte operative Spektrum der Netzhautchirurgie an. Dies reicht von der konventionellen Chirurgie von Netzhautablösungen mittels sog. eindellender Maßnahmen bis hin zur komplizierten Vitrektomie bei schwerst traumatisierten Augen infolge perforierender Augenverletzungen.
Hierbei kommen die modernsten operativen Methoden (Weitwinkelbeobachtungssysteme, bimanuelle Chirurgie - ermöglicht durch die Nutzung spezieller Lichtleiter) zum Einsatz.

Insbesondere haben wir bereits frühzeitig mit der sog. minimal invasiven Vitrektomie (25 Gauge und 23 Gauge) begonnen, sodass wir hier mit einem entsprechenden Erfahrungsschatz aufwarten können. Diese Verfahren gehen mit einer wesentlich schnelleren Rehabilitation einher als die konventionellen Verfahren, da die Bindehaut nicht eröffnet werden muß.



Wichtige Krankheitsbilder und ihre Behandlungsmöglichkeiten


Krankheitsbild  Behandlung 
Netzhautlöcher  Kältetherapie/Laserkoagulation 
Netzhautablösung  Plombe/Cerclage/primäre Vitrektomie 
Diabetische Retinopathie  Laser- und/oder Kryokoagulation 
  Vitrektomie mit Entfernung von Membranen 
Makulaforamen  Vitrektomie mit Entfernung kleiner Membranen und anschließender Gasfüllung 
Uveitis  primär medikamentös, Vitrektomie 
Makulaödem  Vitrektomie mit Entfernung kleiner Membranen 



Lesen Sie hier über die Publikationen von Prof. Dr. med. Augustin
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