Privatärztliche Gemeinschaftspraxis Prof. Dr. Augustin & Dr. Scholl, Lichtentalerstr. 1, 76530 Baden-Baden

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Der graue Star (Katarakt)

Die häufigste Form des grauen Stars ist die im Verlauf des Lebens zunehmende Eintrübung der Augenlinse. Es handelt sich hierbei nicht um eine Erkrankung im eigentlichen Sinne, sondern um einen altersbedingten Prozess, wie z. B. auch der zunehmende Pigmentverlust unserer Haare.

Seltenere Formen des grauen Stars, die auch jüngere Menschen betreffen können, sind Eintrübungen der Linse nach Entzündungen des Augeninneren, nach Verletzungen (traumatischer grauer Star) oder auch nach längerer Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Kortison). Eine frühere bzw. schnellere Entwicklung einer Linsentrübung findet man auch nach Glaskörperoperationen, bei Diabetikern sowie als Folge mancher seltener Stoffwechselerkrankungen.


Das Leitsymptom des grauen Stars ist ein langsamer, schmerzloser Verlust der Sehschärfe. Betroffene sehen zunehmend verschwommen und die Blendungsempfindlichkeit nimmt zu, z. B. im Straßenverkehr bei Nacht durch die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge. Bei Tag ist der Kontrast reduziert, die Patienten nehmen ihre Umwelt wie durch einen Nebel wahr.


Die Behandlung des grauen Stars besteht aus der Entfernung der eigenen Linse und dem Einsetzen einer Kunstlinse. Die Operation des grauen Stars zählt zu den am häufigsten durchgeführten Augenoperationen. Der Eingriff dauert in der Regel ca. 10-15 Minuten und erfolgt unter lokaler Betäubung oder in Tropfanästhesie – in jedem Fall schmerzfrei. In den meisten Fällen ist eine ambulante Behandlung möglich, allerdings gilt in Ausnahmefällen, wie z. B. bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Vorerkrankungen des Auges die stationäre Behandlung weiterhin als sicherere Maßnahme. Eine körperliche Beeinträchtigung nach dem Eingriff besteht in der Regel nicht. Eine Begleitperson ist, nicht zuletzt aufgrund der Versorgung mit einem Augensalbenverband direkt nach der Operation, jedoch sinnvoll.

Heutzutage erfolgt die Entfernung der eigenen Linse in der Mehrzahl der Fälle mittels Ultraschall. Dieses Verfahren nennt man Phakoemulsifikation. Dabei wird der Großteil des Linsenkapselsacks, in dem die natürliche Linse sitzt, erhalten. Lediglich der vordere Teil des Kapselsacks wird eröffnet, um die trübe Linse zu zerkleinern und abzusaugen. Anschließend wird eine Kunstlinse in den erhaltenen Kapselsack implantiert. Diese Linsen bestehen aus verschiedenen Kunststoffmaterialien, die eine Lebensdauer haben, die über der des Menschen liegt.

Seit einigen Jahren kommt zunehmend der sogenannte Femtosekundenlaser zum Einsatz, der automatisiert zwei der Operationsschritte übernimmt: das Öffnen des Kapselsacks und das Zerkleinern der natürlichen Linse.

Auswahl der Linse

Die eingesetzten Kunstlinsen gibt es in verschiedenen Ausführungen hinsichtlich ihrer optischen Eigenschaften. Man unterscheidet:

  • Monofokallinsen (positiv oder negativ brechend; Brillenfreiheit in der Nähe oder Ferne)
  • Torische Linsen (können zusätzlich die Hornhautverkrümmung korrigieren)
  • Multifokallinsen (Korrektur in Nähe und Ferne, bei trifokalen Linsen zusätzlich im Intermediärbereich)


Um die geeignete Linse auszuwählen, wird im Vorfeld der Operation, neben einer kompletten Untersuchung der Augen, eine Messung der exakten biometrischen Daten des Auges durchgeführt. Anschließend erfolgt unter Berücksichtigung der Wünsche des Patienten die Auswahl der Linse. Mit Monofokallinsen kann Brillenfreiheit entweder für die Ferne oder die Nähe erreicht werden, torische Linsen können zusätzlich eine Hornhautverkrümmung korrigieren und Multifokallinsen bieten scharfes Sehen in Ferne und Nähe und manche Ausführungen noch in einem Intermediärbereich.

Darüber hinaus werden bei bestimmten Krankheitsbildern der Netzhaut, wie z.B. der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), spezielle UV- und Blaulicht-absorbierende Linsen (sog. Blaufilterlinsen) implantiert, um die Netzhaut vor der schädlichen Strahlung dieses Lichtes zu schützen.


Der Nachstar

Bei etwa 30% der Fälle kommt es in den ersten 5 Jahren nach der Operation des grauen Stars zum sogenannten Nachstar. Beim Nachstar handelt es sich um eine Trübung der Linsenkapsel durch verbliebene Linsenepithelzellen. Bemerkbar macht sich ein Nachstar durch unscharfes Sehen, erhöhte Blendung oder die Wahrnehmung von Lichtkränzen um Lichtquellen.

Die Behandlung des Nachstars besteht aus der Entfernung des eingewachsenen Zellmaterials durch einen Laser. Selten ist ein kleiner chirurgischer Eingriff notwendig um den Nachstar zu entfernen.