Privatärztliche Gemeinschaftspraxis Prof. Dr. Augustin & Dr. Scholl, Lichtentalerstr. 1, 76530 Baden-Baden

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Der grüne Star (Glaukom)

Unter grünem Star wird eine Reihe von Erkrankungen unterschiedlicher Ursache zusammengefasst, die eine Schädigung des Sehnerven gemeinsam haben. Im Spätstadium des Sehnervenschadens kann es zu einer Verschlechterung des Sehvermögens und zu Ausfällen im Gesichtsfeld kommen. Diese Veränderungen sind irreversibel, d. h. sie sind dauerhaft. Der grüne Star ist weltweit eine der häufigsten Erblindungsursachen.

Die frühzeitige Erkennung und Behandlung ist daher von entscheidender Bedeutung, um zu verhindern, dass die Schäden soweit fortschreiten, dass eine Beeinträchtigung des Sehvermögens oder der Raumorientierung (Gesichtsfeld) eintritt. Ein Sehnervenschaden lässt sich mittels verschiedener Techniken feststellen und objektivieren.

Ein Hauptrisikofaktor für den grünen Star ist ein erhöhter Augeninnendruck, es gibt aber auch eine Form der Erkrankung ohne Augeninnendruckerhöhung – das Normaldruckglaukom. Neben dem Augeninnendruck können andere Augenerkrankungen, wie z. B. Gefäßverschlüsse im Bereich der Netzhaut oder Allgemeinerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) im Verlauf zu einem grünen Star führen. Auch eine genetische Veranlagung ist möglich.

Die Gruppe der grünen Star Erkrankungen lässt sich hinsichtlich anatomischer Kriterien (offener Kammerwinkel versus enger Kammerwinkel/Winkelblock) als auch hinsichtlich ihrer Ursachen einteilen (primäre und sekundäre grüne Stare).

Die häufigste Form des grünen Stars ist mit ungefähr 80% - 85% der Fälle das primäre chronische Offenwinkelglaukom. Seltener ist das primäre Engwinkelglaukom sowie Sonderformen wie z. B. PEX-Glaukom oder Pigmentdispersionsglaukom.

Die Behandlung aller Formen des grünen Stares besteht aus der Verwendung augeninnendrucksenkender Medikamente in Form von Augentropfen, die in der Regel lebenslang genommen werden müssen. Es steht eine ganze Reihe hochpotenter Wirkstoffe zur Verfügung. Teilweise beeinflussen die Tropfen die Sehnervendurchblutung im positiven Sinne und haben auch eine neuroprotektive Wirkung, das heißt eine schützende Wirkung auf den Sehnerven. Letztlich ist wegen dieser potenten Medikamente die Senkung des Augeninnendrucks mittels operativer Verfahren heute wesentlich seltener erforderlich als noch vor einigen Jahren. Operationen zur Senkung des Augeninnendrucks sind heutzutage schweren, häufig auch therapierefraktären Fällen vorbehalten.

Neben einer ausreichenden Augeninnendrucksenkung spielt die Verlaufskontrolle der Augeninnendruckwerte, des Zustands des Sehnerven und der Gesichtsfeldbefunde eine ganz wichtige Rolle.

Zur Diagnostik und Verlaufskontrolle des Glaukoms stehen heutzutage - v. a. in spezialisierten Zentren - Geräte zur Verfügung, die es erlauben, objektive und sehr umfangreiche Aussagen über den Zustand des Sehnerven und der Nervenfasern bzw. der Ganglienzellschicht der Netzhaut zu machen. Die hierfür eingesetzten Geräte sind meist optische Kohärenztomographen. Über die vergleichende Auswertung mehrerer aufeinanderfolgender Untersuchungstermine können Aussagen zum Fortschreiten der Erkrankung gemacht werden.

 


Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist die Messung der Hornhautdicke (sog. Pachymetrie), da diese einen wesentlichen Einfluss auf den Wert der Augeninnendruckmessung hat. Mithilfe von Normtabellen kann unter Kenntnis der Hornhautdicke der eigentliche Augeninnendruckwert bestimmt werden.

Schreitet trotz ausreichender Senkung des Augeninnendrucks der messbare Schaden fort, kann eine Operation des grünen Stars erforderlich werden. Man unterscheidet grob zwischen filtrierenden (Trabekulektomie, Trabekulotomie) und nicht filtrierenden (tiefe Sklerektomie) Eingriffen. Bestimmte Formen des grünen Stars (z. B. kongenitales Glaukom, Engwinkelglaukom) machen ein modifiziertes Vorgehen erforderlich.